Öffnungszeiten Museum
Täglich 10 - 18 Uhr, mittwochs 10 - 20 Uhr.
Das Museum ist an allen Sonn- und Feiertagen geöffnet.

Museum opening times
Open every day, 10:00 a.m. - 6:00 p.m., Wednesdays, 10:00 a.m. - 8:00 p.m.
The museum is open on Sundays and on all public holidays.

Adresse:
FONDATION BEYELER
Baselstrasse 101
CH-4125 Riehen / Basel
Tel. +41 - (0)61 - 645 97 00
Fax +41 - (0)61 - 645 97 19
E-Mail: info@fondationbeyeler.ch

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    Interview mit Gerhard Richter

    Ein Auszug aus dem Interview mit Gerhard Richter, geführt von Hans Ulrich Obrist (Gast-Kurator, Co-Direktor der Serpentine Gallery, London)

    Hans Ulrich Obrist: Das ist bei den fünf Gemälden zur Verkündigung nach Tizian nicht so, da ist eine Handlung ablesbar.

    Gerhard Richter: Wahrscheinlich habe ich das Bild deshalb kopieren wollen. Ich sah das Tizian-Gemälde in der Scuola Grande di San Rocco in Venedig und wollte es einfach haben, wenigstens als Kopie. Die ist mir nicht gelungen, sie konnte gar nicht gelingen, denn diese ganze wundervolle Kultur ist verloren. Uns bleibt nur mit dem Verlust klarzukommen und trotzdem etwas daraus zu machen.

    HUO: Du sagtest einmal, dass es ein ganz wichtiger Auslöser für Malerei sei, eine Botschaft zu senden.

    GR: Der Maria wird verkündet, dass sie ein Kind bekommt.

    HUO: Das ist der Inhalt des Bildes, die Botschaft?

    GR: Ja. Wir wollen immer etwas mitteilen – und wenn es unsere Zweifel sind oder unser Elend. Es muss alles raus.

    HUO: Die Idee mit der Botschaft ist auch deshalb interessant, weil oft über das Ende der Malerei gesprochen wird. Du hast dem aber stets widersprochen. Denn selbst ein Raum mit grauen Bildern, wie der für das Museum in Mönchengladbach, hat eine Botschaft. Wie hat es denn mit der Serie grauer Bilder überhaupt begonnen?

    GR: Sie fing mit abstrakten Bildern an, die einfach immer grauer wurden, oder auch mit Fotobildern, die ich so lange verwischte, bis nichts mehr zu sehen war ausser Grau. Dann habe ich aber die Feststellung gemacht, dass sie qualitative Unterschiede aufwiesen, und damit wurde es spannend für mich. Wieso ist ein graues Bild gut und ein anderes weniger gut oder weniger schlecht und so weiter?

    HUO: Also konnte man wieder urteilen, gut und schlecht unterscheiden.

    GR: Ja, und das Wichtigste war damals für mich, dass ich sah, dass die Ursache für ein Bild zwar sehr negativ, destruktiv sein kann, dass aber das Resultat trotzdem konstruktiv ist, in Gestalt eines Bildes, das sehr schön, ernst, tröstlich, also wohltuend wirkt.

    HUO: Und dann hast du 1975 auch den Zyklus mit acht grossen

    grauen Bildern gemalt?

    GR: Ja. Das Grau in mehreren Schichten, ein Bild nach dem anderen, jedes sollte so aussehen wie das vorhergehende, nur besser – was natürlich nicht geht.

    HUO: Du hast mir erzählt, wie gerührt du damals warst, als in Mönchengladbach mit den acht grauen Bildern zum ersten Mal ein Raum von dir in der ständigen Sammlung eines Museums installiert wurde.

    GR: Das war für mich ein grosses Ereignis. Johannes Cladders kam zu mir ins Atelier, sah die acht grauen Leinwände und sagte: »Die Flöte kaufe ich, die will ich haben«. Mit der »Flöte« meinte er diese acht grauen Bilder. Schliesslich bekamen sie einen eigenen Raum im neu bezogenen Museumsbau auf dem Abteiberg, den sie noch immer haben.

    HUO: Das führt uns auch zum Zyklus 18. Oktober 1977. Ich erinnere mich, wie ich damals in den späteren Achtzigerjahren in deinem Atelier gewesen bin. Du hattest zu Stammheim und zur Roten Armee Fraktion sehr viele Fotos gesammelt. Lange hast du das Thema mit dir herumgetragen und dann nahm es immer mehr Form an. Es gab wohl keinen konkreten Auslöser für den Oktober-Zyklus.

    GR: Aber es gab eine Entwicklung dahin. Es begann schon damit, dass man, wenn man aus dem Osten kommt, zunächst glücklich ist hier im Westen zu sein. Man staunt, wie frei es hier zugeht. Und dann kamen die sogenannten 68er und sagten, hier sei alles unfrei und alle seien Faschisten. Ich kam ja aus einem quasi faschistischen Staat, also fand ich es erschreckend zu sehen, wie viel Anklang die bekamen, die so redeten, wie machtvoll Glaube sein kann, Überzeugung – ein interessantes Wort übrigens: Über-Zeugung.

    HUO: Bei all diesen Serien oder Zyklen fällt auf, wie unterschiedlich sich zum Teil das Verhältnis von Einzelwerk und Werkgruppe definiert. Es gibt Gruppen, die immer zusammenbleiben. Der Zyklus 18. Oktober 1977 ist untrennbar. Auch die Cage-Bilder formen ein eigenes Ensemble, das nicht aufzulösen ist. Dagegen befinden sich etwa bei der Verkündigung nach Tizian die einzelnen Gemälde inzwischen in verschiedenen Sammlungen. Oft werden sie auch bei Ausstellungen vereinzelt gezeigt. Die Bilder funktionieren auch für sich, gewinnen aber dennoch eine besondere Bedeutung, wenn sie als Gruppe gemeinsam zu sehen sind. Warum sind die Tizian-Bilder nicht zusammengeblieben?

    GR: Da ist natürlich auch Bequemlichkeit und Nachgiebigkeit im Spiel. Aber abgesehen davon finde ich es immer unangenehm, wenn Künstler Vorschriften machen. Und wirklich schlimm ist es ja nicht, wenn Bilder verstreut werden, in den Ausstellungen kommen sie oft wieder zusammen und im Katalog sowieso. Natürlich gibt es Serien und Zyklen, die zusammenbleiben sollten, eben Cage oder die Oktober-Bilder, auch Wald gehört beispielsweise dazu.

    HUO: Bilder haben ihr eigenes Leben. Das ist wie bei erwachsenen Kindern, wenn sie einmal aus dem Haus sind. 

    Das vollständige Interview ist im Katalog zur Ausstellung abgedruckt, welchen Sie online bestellen können: 

    http://shop.fondationbeyeler.ch/de/artikel/gerhard-richter—deutsch-23000

    Foto: Hubert Becker 2014

    Gepostet am 22 Juli, 2014

    




KATALOG / CATALOGUE





In den 60 Jahren seiner künstlerischen Tätigkeit hat Gerhard Richter (* 1932 in Dresden) ein Maßstäbe setzendes Œuvre hervorgebracht, dessen thematische und stilistische Vielfalt in der Malerei unserer Zeit nichts Vergleichbares kennt. Die groß angelegte Monografie vereint erstmals eine Vielzahl von als Serien, Zyklen und Räume realisierten Werken aus allen Schaffensperioden des Künstlers. Präsentiert werden zum einen figurative Arbeiten wie Landschaften, Stillleben und Porträts, bei denen häufig Fotos als Vorlagen dienen, wie etwa im Fall des Zyklus S. mit Kind, einer intimen und persönlichen Variation der Madonnendarstellung. Zum anderen werden aber auch abstrakte Werke gezeigt, für die Gerhard Richter aus einem wechselnden Formen- und Farbenrepertoire schöpft und dem sowohl kleinformatige als auch monumentale Gemälde entspringen. Dem Betrachter eröffnet der großformatige Band das erstaunliche Spektrum von Richters Malerei in all ihren Dimensionen und Techniken. (Englische Ausgabe ISBN 978-3-7757-3805-7)Hrsg. Hans Ulrich Obrist, Fondation Beyeler, Texte von Georges Didi-Huberman, Dietmar Elger, Michiko Kono, Hans Ulrich Obrist, Dieter Schwarz, Gestaltung von Uwe KochDeutsch, 2014, 192 Seiten, 225 Abb., 28,00 x 31,50 cm, gebunden
ISBN 978-3-7757-3804-0





http://shop.fondationbeyeler.ch/de/artikel/gerhard-richter—englisch-23001/23001

***
 
Over the sixty years of his artistic career, Gerhard Richter (* 1932 in Dresden) has produced a standardsetting oeuvre whose thematic and stylistic diversity has no equal among the art of our time. This extensive monograph is the first to present the complete range of the numerous works Richter realized as series, cycles, and spaces. It includes figurative paintings, such as landscapes, still lifes, and portraits, many of which are based on photographs, such as the series S. and Child, a personal and intimate variation on the traditional subject of the Madonna and Child. It also features abstract works, for which Richter draws from a changing repertoire of forms and colors to produce both small and monumental paintings. This generously sized volume reveals an astonishing spectrum of Richter’s paintings in all of their dimensions and techniques.
Edited by Hans Ulrich Obrist, Fondation Beyeler, Texts by Georges Didi-Huberman, Dietmar Elger, Michiko Kono, Hans Ulrich Obrist, Dieter Schwarz, graphic design by Uwe Koch.
ISBN 978-3-7757-3805-7
http://shop.fondationbeyeler.ch/en/artikel/gerhard-richter—english-23001/23001

    KATALOG / CATALOGUE

    In den 60 Jahren seiner künstlerischen Tätigkeit hat Gerhard Richter (* 1932 in Dresden) ein Maßstäbe setzendes Œuvre hervorgebracht, dessen thematische und stilistische Vielfalt in der Malerei unserer Zeit nichts Vergleichbares kennt. Die groß angelegte Monografie vereint erstmals eine Vielzahl von als Serien, Zyklen und Räume realisierten Werken aus allen Schaffensperioden des Künstlers. Präsentiert werden zum einen figurative Arbeiten wie Landschaften, Stillleben und Porträts, bei denen häufig Fotos als Vorlagen dienen, wie etwa im Fall des Zyklus S. mit Kind, einer intimen und persönlichen Variation der Madonnendarstellung. Zum anderen werden aber auch abstrakte Werke gezeigt, für die Gerhard Richter aus einem wechselnden Formen- und Farbenrepertoire schöpft und dem sowohl kleinformatige als auch monumentale Gemälde entspringen. Dem Betrachter eröffnet der großformatige Band das erstaunliche Spektrum von Richters Malerei in all ihren Dimensionen und Techniken. (Englische Ausgabe ISBN 978-3-7757-3805-7)

    Hrsg. Hans Ulrich Obrist, Fondation Beyeler, Texte von Georges Didi-Huberman, Dietmar Elger, Michiko Kono, Hans Ulrich Obrist, Dieter Schwarz, Gestaltung von Uwe Koch
    Deutsch, 2014, 192 Seiten, 225 Abb., 28,00 x 31,50 cm, gebunden

    ISBN 978-3-7757-3804-0

    http://shop.fondationbeyeler.ch/de/artikel/gerhard-richter—englisch-23001/23001

    ***

     

    Over the sixty years of his artistic career, Gerhard Richter (* 1932 in Dresden) has produced a standardsetting oeuvre whose thematic and stylistic diversity has no equal among the art of our time. This extensive monograph is the first to present the complete range of the numerous works Richter realized as series, cycles, and spaces. It includes figurative paintings, such as landscapes, still lifes, and portraits, many of which are based on photographs, such as the series S. and Child, a personal and intimate variation on the traditional subject of the Madonna and Child. It also features abstract works, for which Richter draws from a changing repertoire of forms and colors to produce both small and monumental paintings. This generously sized volume reveals an astonishing spectrum of Richter’s paintings in all of their dimensions and techniques.

    Edited by Hans Ulrich Obrist, Fondation Beyeler, Texts by Georges Didi-Huberman, Dietmar Elger, Michiko Kono, Hans Ulrich Obrist, Dieter Schwarz, graphic design by Uwe Koch.

    ISBN 978-3-7757-3805-7

    http://shop.fondationbeyeler.ch/en/artikel/gerhard-richter—english-23001/23001

    Gepostet am 9 Juli, 2014

    Die US-amerikanische Perkussionistin und Komponistin Robyn Schulkowsky spielt Stücke von John Cage. Gerhard Richter spricht mit Bewunderung über John Cage, dessen Kompositionen und die Verwendung von Zufallsverfahren. 2006 malte Richter die Werkgruppe Cage, die in der Ausstellung gezeigt wird.

     Mittwoch, 2. Juli 2014, 19 Uhr. 

    Gepostet am 2 Juli, 2014

    1024 Farben / 1024 Colors, 1973

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    1966 entstanden Gerhard Richters erste Farbtafeln, die dem Prinzip von Farbmusterkarten aus Malergeschäften folgten. In den Siebzigerjahren griff er dieses Thema wieder auf, ordnete nun aber die angemischten Farbtöne nach dem Zufallsprinzip an. Er interessierte sich dabei für »die Feststellung, dass jede Farbe wunderbar zu jeder beliebigen anderen passt«.[i]

    »Um alle vorkommenden Farbtöne auf einem Bild darstellen zu können, entwickelte ich ein System, das – ausgehend von den drei Grundfarben plus Grau – in stets gleichmäßigen Sprüngen eine immer weitergehende Aufspaltung (Differenzierung) ermöglichte. 4 x 4 = 16 x 4 = 64 x 4 = 256 x 4 = 1024. Die Zahl ›4‹ als Multiplikator war notwendig, weil ich eine gleichbleibende Proportion von Bildgröße, Feldgröße und Felderanzahl erhalten wollte. Die Verwendung von mehr als 1024 Farbtönen (z.B. 4096) erschien mir sinnlos, da dann die Unterschiede von einer Farbstufe zur nächsten nicht mehr sichtbar wären. Die Anordnung der Farbtöne auf den Feldern erfolgte per Zufall, um eine diffuse, gleichgültige Gesamtwirkung zu erzielen, während das Detail anregend sein kann. Das starre Raster verhindert die Entstehung von Figurationen, obwohl diese mit Anstrengung sichtbar werden können.«[ii]


    [i] »Interview mit Irmeline Lebeer 1973«, in: ebd., S. 83.

    [ii] »›1024 Farben in 4 Permutationen‹, Katalogtext für die Gruppenausst. im Palais des Beaux-Arts, Brüssel, 1974«, in: ebd., S. 91.

    ***

    1024 Colors, 1973
    Richter produced his first Color Charts in 1966, taking his cue from the color samples used in paint shops. He returned to the subject in the 1970s, but now arranged the colors randomly, prompted by the “observation that each color adapts marvelously to whichever other color is used.”[i]

    “In order to represent all extant color shades in one painting, I worked out a system which—starting from the three primaries, plus gray—made possible a continual subdivision (differentiation) through equal gradations. 4 ´ 4 = 16 ´ 4 = 64 ´ 4 = 256 ´ 4 = 1,024. The multiplier 4 was necessary because I wanted to keep the image size, the square size and the number of squares in a constant proportion to each other. To use more than 1,024 tones (4,096, for instance) seemed pointless, since the difference between one shade and the next would no longer have been detectable. The arrangement of the colors on the squares was done by a random process, to obtain a diffuse, undifferentiated overall effect, combined with stimulating detail. The rigid grid precludes the generation of figurations, although with an effort these can be detected.”[ii]


    [i] “Interview with Irmeline Lebeer, 1973,” ibid., p. 83.

    [ii] “‘1,024 Colours in 4 Permutations’: Text for catalogue of group exhibition, Palais des Beaux-Arts, Brussels, 1974,” ibid., p. 91.

    Gepostet am 6 Juni, 2014